Auch so Tage als Guide schlauchen ganz schön. Denn während die Teilnehmer schön Mittagsschlaf machen können bereiten wir die nächsten Einheiten vor oder gehen Verpflegung kaufen, Matten holen, Aufstuhlen, Abstuhlen… Workshop Planung, Videos und Bilder laden… Noch nie habe ich mir so gewünscht die Beine hochzulegen und den Fernseher anzumachen. Unseren Fernseher haben wir aus Platzgründen von der Vitrine auf den Küchenschrank verbannt. Zeit wäre dafür so oder so nicht.

Die Guides: Ein bunt gemischtes Volk. Ein Führer, der das Kommando gibt. Sein Kumpel, ein Spanier, der es nicht so mit Pünktlichkeit und Strecken hat. Ein Franzose, der die Insel wie seine Westentasche kennt. Jeden Kreisel, jede Palme, jedes Gitter am Boden oder Welle. Ein Oberbayer, Crossduathlon X-Terra Weltmeister, der einen Korken im Mund hat, so wie er spricht. Ein Schweizer, sein Bruder, der krank ist. Eine junge Heißdüse, ein Oberlehrer, Chris und ich mitten drin als einzige Frau.

Cool war die Erfahrung, wie spaßig und entspannt es ist eine 7:30 Laufgruppe zu führen. Anfangs wusste ich nicht wo hin mit meinen Füßen und ob es nicht rückwärts besser gehen würde, aber ich muss sagen es hat was mal so entspannt zu laufen zu plaudern und zu fragen: „Geht‘s mit dem Tempo oder ist es zu schnell?“
Klar ist, wenn du Guide bist, steht dein eigenes Training hinten an. Aber Watt soll’s?! Bei dem Wetter muss man froh sein überhaupt eine motivierte Gruppe Leute zu haben. Kurz vor 7: „Brrr. Grauer Himmel!“ Neo an und ab ins eiskalte ähhh kühle Nass. Nur da ist es gewollt nass zu werden.

Beim Radfahren gab es ehrliche Kilometer, selbst mit der Gruppe kann man sich schlecht hinterm Wind verstecken, da der erbarmungslos auch von der Seite reinbläst. Durch die ständigen Wechsel innerhalb der Gruppe finde ich mich oft an der Front. Gummibärchen und Gel rein und trebbeln, trebbeln, trebbeln, dass auch die Männer hinter mir nichts zu meckern haben was das Tempo angeht.  Aber auch die haben zu kämpfen, denn die Regentage und Kälte sitzt langsam jeden im Genick. Highlight ist der Bäcker in Antigua. Für wenig Geld gibt‘s dort lecker Kaffee, Kuchen und süße Stückchen. Selbst ich haue mir zusätzlich zu meinen Riegeln und Gels Käsebrötchen rein, da die Kälte echt Energie zieht. Die Windbeutel abends beim Buffet sind verdient. Natürlich auch das ein oder andere Gläschen Lambrusco.

Wir freuen uns über jeden Sonnenstrahl den wir einfangen können. Unsere Kanten sind abwaschbar und es stellt sich raus, dass der Dreck und Matsch den wir an uns haben keine Bräune hinterlässt. Die Mäntel werden langsam eckig und die Ketten quietschen. Sand im Getriebe. Selbst die Abfahrtssäue bremsen etwas runter in den Abfahrten, da die Böen echt Kraft haben. Ich bin stolz auf jede gefahrene oder gelaufene Stunde bei den Bedingungen hier auf der Sonneninsel. Was hätte ich für gute Regenkleidung gegeben oder gescheite Regenjacke, welche natürlich im Schrank zu Hause liegt. Das passiert mir nie wieder. Ich nehme ab jetzt immer und überall ein Satz Winterkleider mit. Selbst Wolldecken für die Nacht wären toll gewesen. Meine Mütze und Hoodie wurde mein bester Freund und treuer Begleiter.

Ruhetag. Nach dem Blackroll Workshop erstmal in den SPA-Bereich. Zum ersten Mal liege ich in der Sauna und halte es locker 15 min aus. Von schwitzen noch keine Spur und der Wirlpool ein Traum.
Auftauen.  Na ich will jetzt nicht nur jammern. Man könnte echt meinen ich bin im Schnee und Minus Grad gefahren, aber erhofft hatte ich mir schonmal auch auf dem Rad zu schwitzen und ne Cola zu trinken. Stattdessen hatte ich warmen Pfefferminztee in den Radflaschen. Aber gut bei bestem Wetter und guten Bedingungen kann ja jeder und von nix, kommt nix. Ich bewundere die Teilnehmer, die sogar beim Swim and Run ohne Neo ins Freiwasser gehen. Ich selber mache Streckenposten beim Laufen. Aber auch hier bin ich froh mit dicker Daunenjacke den motivierten Teilnehmer den Weg zu weisen. Egal der Spaßfaktor war auf jeden Fall jeden Tag da. Ich habe auch gelernt nur auszuklicken… da wohl bei der Kälte und Feuchtigkeit meine Klickis auch nicht mehr so geschmeidig liefen bis gar nicht. Geht alles.

Was nehme ich mit… egal wie es kommt mache immer das Beste draus. Zu Hause lag Schnee und die Temperaturen waren nicht zweistellig. Klar ein Hallenbad wäre nicht schlecht gewesen, aber wer will schon im Freipool braun werden. Und hey drei Schichten beim Radfahren und aufgeblasene Regenjacke beim Radfahren sind zusätzliche Trainingseffekte. Und manchmal ist weniger und dafür härter auch mehr. Ich schätze umso mehr die Ausfahrten ohne Wind und mit Sonnenstrahlen und so schnell macht mir keine Windböe mehr Angst: Immer schön Kette rechts, Hände an den Lenker, Kopf runter, lächeln und durch.

Jetzt geht es wieder mit einer Nacht Verspätung heim Richtung Germany und die Freude auf eine Wolldecke, ein Sofa, eine Badewanne und ein eigenes Bett steigt. In diesem Sinne: bye bye windy Fuerte. Malle, ich freue mich!